Du weißt genau, was Du nicht mehr willst – aber wie findest Du heraus, was Du stattdessen willst im Leben?
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Du spürst, dass sich etwas ändern muss in Deinem Leben. So wie es gerade ist, soll es nicht weitergehen. Aber wie findest Du heraus, was Du willst?
Mit Anfang 40 kam bei mir immer häufiger ein Gedanke auf, den ich lange versucht habe wegzuschieben.
So möchte ich nicht die nächsten 20 oder 30 Jahre weitermachen.
Wenn mich damals jemand gefragt hätte, ob bei mir alles in Ordnung ist, hätte ich wahrscheinlich mit „Ja“ geantwortet. Es gab keine große Krise, keinen Schicksalsschlag und keinen Moment, in dem plötzlich alles zusammengebrochen wäre.
Und trotzdem hatte ich immer öfter das Gefühl, mein Leben nicht mehr selbst in der Hand zu haben. Ich bestimmte meinen Alltag nicht mehr – mein Alltag bestimmte mich. Die Tage liefen nach dem gleichen Muster ab, ich funktionierte, erledigte, organisierte und plante. Familie, Arbeit, Haushalt, Finanzen, Freizeit alles routiniert und eingespielt. Nach außen sah das wahrscheinlich ganz normal aus. Innerlich wurde ich jedoch immer unzufriedener.
Anfangs konnte ich nicht mal genau benennen, was genau diese Unzufriedenheit auslöste. Eigentlich hatte ich allen Grund dankbar zu sein, zufrieden mit dem, was mein Mann und ich erreicht haben. Das war mir bewusst und trotzdem war da im Hinterkopf immer häufiger dieses Gefühl von Unzufriedenheit. Von: „da geht noch mehr – was kommt jetzt noch?“
Irgendwann wurde mir bewusst, dass zwischen 40 und 70 noch einmal ungefähr genauso viel Leben liegt wie zwischen 20 und 50.
Viel zu viel Zeit, um es sich einfach in der eigenen Komfortzone bequem zu machen, sich zurückzulehnen und sein Leben die nächsten 30 Jahre von Alltag, Routine und persönlichem Stillstand bestimmen zu lassen.
Das Seltsame war, je größer der Wunsch nach einer Veränderung wurde, desto mehr fing ich an, jeden Aspekt meines Lebens in Frage zu stellen. Meine Gedanken kreisten die ganze Zeit um die Frage, was ich alles nicht mehr möchte. Doch es war mir nicht möglich, herauszufinden, was ich stattdessen möchte im Leben.
Du weißt nicht, was Du willst? Dann beginne mit dem, was Du nicht mehr willst
Damals empfand ich das als Schwäche.
Ich dachte, ich müsste doch zuerst wissen, wo ich hinwill, bevor ich etwas verändern kann. Schließlich schien es bei anderen Menschen oft so zu sein. Sie hatten einen Traum, ein Ziel oder einen Plan und setzten ihn dann um.
In vielen Büchern und Podcasts hörte ich immer wieder, man müsse erstmal sein Ziel kennen, ehe man loslaufen darf. Das eigene „inneres Navi“ auf ein neues Ziel programmieren, sonst kommt man niemals dahin wo man hin möchte.
Ich kannte mein Ziel nicht! Auf die Frage: „Wie soll Dein Leben in Zukunft aussehen?“ hätte ich keine Antwort gehabt. Alles, was ich wusste war: Es soll jetzt nicht die nächsten 30 Jahre genauso weitergehen wie jetzt.
Ich hatte keine klare Vision meines Ziels – also blieb ich stehen. Hielt die Unzufriedenheit aus. Ich las Bücher darüber, wie man den Sinn des Lebens findet, beschäftigte mich mit verschiedenen Methoden zur Zielplanung und Zielfindung. Ich dachte „mehr Wissen“ wäre vielleicht der Schlüssel für mehr Klarheit und Orientierung.
Heute sehe ich diese Zeit mit etwas Abstand ganz anders.
Rückblickend war es nicht das Wissen das fehlte. Bücher hatte ich genug gelesen, Methoden kannte ich auch. Was mir fehlte war der Mut, meiner eigenen Unzufriedenheit zu vertrauen und sie nicht länger wegzudrücken.. Am Ende war es gar nicht entscheidend, dass ich noch keine klare Vorstellung hatte. Entscheidend war vielmehr, dass ich erkannt hatte, dass ich mein bisheriges Leben so nicht mehr weiterführen wollte. Allein diese Erkenntnis hat schließlich etwas in Bewegung gesetzt.
Wie Du Deine eigenen Wünsche wieder entdecken kannst
Ich kann natürlich nur von mir selbst sprechen.
Bei mir war es so, dass ich über viele Jahre vor allem damit beschäftigt war, den Alltag zu organisieren und alles unter einen Hut zu bekommen. Dabei habe ich mir immer seltener die Frage gestellt, was ich eigentlich selbst wollte.
Irgendwann fiel mir auf, dass ich diese Frage gar nicht mehr beantworten konnte.
Nicht, weil es keine Wünsche mehr gab. Sondern weil ich sie über einen langen Zeitraum kaum beachtet hatte.
Das hat mich zunächst erschreckt. Gleichzeitig war es aber auch der Moment, an dem ich begann, wieder genauer hinzuhören.
Ich habe aufgehört, auf den perfekten Plan zu warten
Lange dachte ich, dass ich zuerst mein großes Ziel finden müsste.
Irgendwann wurde mir klar, dass ich vermutlich noch Jahre warten würde, wenn ich erst losgehen wollte, sobald ich einen perfekten Plan hätte.
Also habe ich aufgehört, nach der einen richtigen Antwort zu suchen.
Stattdessen stellte ich mir kleinere Fragen.
Worauf bin ich neugierig?
Was interessiert mich eigentlich?
Welche Themen ziehen mich immer wieder an?
Und worauf hätte ich einfach einmal Lust – ganz unabhängig davon, ob daraus später etwas Großes entsteht?
Diese Fragen konnte ich viel leichter beantworten als die große Frage nach meinem Lebensziel.
Kleine Schritte haben mir mehr Klarheit gegeben als langes Nachdenken
Ich habe mir erlaubt, Dinge einfach auszuprobieren.
Ich habe Bücher gelesen, mich mit neuen Themen beschäftigt und Dinge gemacht, von denen ich vorher gar nicht wusste, ob sie überhaupt zu mir passen würden.
Manches hat sich schnell wieder erledigt.
Anderes hat mich völlig überrascht.
Nicht jede Idee war ein Volltreffer. Aber jede Erfahrung hat mir etwas gezeigt. Entweder habe ich gemerkt: Das ist überhaupt nichts für mich. Oder ich dachte: Davon möchte ich mehr.
Mit der Zeit entstand so ein immer klareres Bild davon, was mir wichtig ist und wie ich mein Leben gestalten möchte.
Nicht, weil ich plötzlich alle Antworten hatte, sondern weil ich mich selbst besser kennengelernt habe.
Veränderung beginnt nicht immer mit einem perfekten Plan
Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, glaube ich nicht mehr, dass die Vision des Ziels und des Ergebnisses am Anfang stehen muss. Natürlich: Wenn Du weißt, wer Du in 10 Jahren sein möchest, wie Dein Leben dann aussehen soll, ist es sinnvoll davon ausgehend bis heute zurück zu planen.
Wenn Du weißt, wo Du in 10 Jahren sein willst, kannst Du bestimmen wo Du in 5 Jahren sein solltest und in 3 Jahren. Und wenn Du weißt, wo Du in 3 Jahren sein willst, dann kannst Du eine Jahresplanung machen, eine Quartalsplanung…. usw. . Bis Du den einen Schritt kennst, mit dem Du sofort und heute noch starten kannst.
Es ist ein guter Weg, für alle, die bereits eine fertige Vision und Klarheit haben. Für alle, denen diese Klarheit noch fehlt funktioniert das nicht.
Und wenn Du auch gerade genau an diesem Punkt stehst, dann möchte ich Dir sagen: Es ist okay, wenn Du das Ziel noch nicht kennst. Wenn Du heute noch nicht weißt, was in 10 Jahren sein soll oder in 5 oder in 3. Wenn Du aktuell noch nichts weißt, ausser: das, was Du nicht mehr willst.
Es heißt: „Klarheit ist der Anfang jeder Veränderung“. Und das stimmt auch. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, die Klarheit über Weg und Ziel und Ergebnis.
Heute glaube ich, dass auch dieser Satz eine Form von Klarheit ist: „So wie es jetzt ist, soll es nicht mehr weitergehen“
Deine Unzufriedenheit wahrzunehmen ist Klarheit. Der Wunsch nach Veränderung ist Klarheit. Das reicht, um lozulaufen. Du brauchst keinen perfekten Plan, sondern Mut für den ersten kleinen Schritt. Und dann noch einen.
Mit jedem kleinen Schritt wird das Bild etwas deutlicher. Nicht perfekt und auch nicht vollständig, aber ausreichend, um den nächsten Schritt gehen zu können.
Genau das hat mir damals die Angst genommen, sofort alles wissen zu müssen.
Mein Fazit
Falls Du gerade an einem ähnlichen Punkt stehst und genau weißt, was Du nicht mehr möchtest, dann unterschätze diese Erkenntnis nicht.
Für mich war sie der eigentliche Anfang.
Ich musste nicht sofort wissen, wie mein Leben in fünf oder zehn Jahren aussehen würde. Es hat vollkommen gereicht, zu erkennen, dass ich etwas verändern möchte und bereit bin, den ersten kleinen Schritt zu gehen.
Viele Antworten, nach denen ich damals so verzweifelt gesucht habe, sind erst später gekommen. Nicht, weil ich noch länger darüber nachgedacht habe, sondern weil ich angefangen habe, Neues auszuprobieren und mich selbst wieder besser kennenzulernen.
Vielleicht ist das manchmal genau der Weg: nicht erst auf die perfekte Klarheit zu warten, sondern loszugehen und darauf zu vertrauen, dass sich der nächste Schritt zeigt, wenn man den ersten gegangen ist.


