Neue Lebensziele finden: Warum sich Dein Leben trotz Familie plötzlich leer anfühlen kann
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Es war ein seltsames Gefühl. Objektiv betrachtet lief mein Leben gut. Es gab keinen offensichtlichen Grund unglücklich zu sein. Es gab keinen großen Schicksalsschlag, keine Krise und keinen offensichtlichen Grund, unglücklich zu sein. Und dennoch saß ich Sonntag früh als Einzige noch am Frühstückstisch.
Meine Tochter war verabredet mit Ihren Freundinnen zur Bandprobe und zum lernen. Mein Mann war das Wochenende mit seinem Mittelalter-Verein unterwegs.
So saß ich alleine am Frühstückstisch und grübelte – mal wieder.
Mein Leben fühlte sich leer an. Nicht, weil ich langeweile hatte. Ich war immer beschäftigt. Erledigte, was erledigt werden musste. Meine ToDo Liste war lang. Später würde ich einen ausgedehnten Spaziergang mit dem Hund machen, dann vielleicht etwas lesen oder eine Serie schauen.
Die Tage vergingen, eine Woche folgt der nächsten. Ich hatte keine langeweile, war immer busy. Und trotzdem hat mich diese eine Frage nicht mehr losgelassen: War das jetzt alles?
Ich brauchte nicht mehr Aufgaben. Ich brauchte etwas, das nur für mich da ist
Soviel war klar: Es ging nicht darum, mehr zu machen – noch mehr Aufgaben auf der ToDo-Liste waren wirklich das letzte, was ich wollte. Mit Teenager-Kind, Familie, Vollzeitjob, Haushalt, Garten gab es immer etwas zu tun. Aber das war alles Alltag. Da ich nun nicht gerade leidenschaftlich gerne koche, putze oder Gemüse im Garten anbaue, sind alle diese Aufgaben Alltagspflichten.
Was ich wollte, war etwas finden, wofür ich brenne. Etwas, das sich nicht nach Pflicht und Alltag anfühlt. Und etwas, dass nur für mich da ist – ohne an Erwartungen anderer gebunden zu sein. Früher habe ich mich für so viele Dinge begeistern können. Habe leidenschaftlich Handball gespielt, war im Tanzverein und habe an den Wochenenden regelmäßig an Dart-Turnieren teilgenommen.
Natürlich verändert sich das Leben, wenn man eine Familie gründet, seine Karriere voranbringen möchte und ein Haus abbezahlt. Ich wollte auch nicht mein „altes“ Leben zurück. Nur die Begeisterung und Leidenschaft, die ich für so viele Dinge gespürt habe ist meinem Alltag gewichen.
Ich saß also am Küchentisch und wünschte, ich würde eine Sache finden, für die ich wieder die alte Begeisterung empfinde. Ein neues Lebensziel finden, eine Aufgabe die mein Herz erfüllt und die mich mit Freude und Stolz erfüllt. Etwas, das nur für mich da ist.
Warum dieser Wunsch so erschreckend ist, dass keine Frau gerne darüber redet
wie viele Frauen – genau wie ich – erschrecken über diesen Gedanken. Gerade weil man ja das Leben führt, dass man sich selbst ausgesucht hat. Die Kinder, das eigene Haus, die Karriere… das alles ist ja nicht über Nacht vom Himmel gefallen.
Das heutige Leben ist die Konsequenz früherer Entscheidungungen. Sich jetzt einzugestehen, dass man in diesem Leben nicht mehr zu 100% glücklich und zufrieden ist, ist schwer.
Es ist auch nicht so, dass man seine früheren Entscheidungen bereut. Man führt genau das Leben, das man sich mit 20 oder 25 erträumt hat. Man sollte dankbar und zufrieden sein – und ist es nicht.
Der Wunsch nach Veränderung, und danach neue Lebensziele zu finden fühlt sich verboten an. Als ob man heute etwas zurückfordern würde, das man vor 20 Jahren selbst abgewählt hat.
Sobald man mit jemandem versucht darüber zu reden, bekommt man zu hören, dass man sich glücklich schätzen sollte. Es gibt Menschen, denen geht es viel schlechter. Die würden sich ein Bein ausreissen, um so ein Leben zu führen. Die wären zufrieden und würden sich nicht noch „mehr“ wünschen.
Dabei ist dieser Wunsch oft kein Zeichen dafür, dass etwas mit dem eigenen Leben nicht stimmt. Er zeigt vielmehr, dass sich etwas verändert hat. Was einen früher erfüllt hat, reicht heute vielleicht nicht mehr aus.
Jemand hat mal gefragt, was ich aus heutiger Sicht meinem jüngeren „Ich“ sagen würde, welche Tipps hätten mir damals geholfen und mich weitergebracht und welche heutigen Erkenntnisse würde ich unbedingt teilen wollen?
Aus heutiger Sicht würde ich folgende Erkenntnisse meinem jüngeren Ich weitergeben. Und vielleicht helfen Sie Dir ja auch, wenn sich Dein Leben trotz vollem Alltag und langer ToDo-Liste gerade leer anfühlt.
Beides darf sein. Es ist kein Widerspruch seine Familie und sein Leben zu lieben und sich totzdem neue Lebensziele, neue Impulse und Veränderung zu wünschen
Gerade in der Lebensmitte von uns Frauen, verändert sich vieles. Nicht nur wir selbst. Die Kinder werden langsam groß und unsere Rolle als Mutter verändert sich. (siehe Mama-Herz zwischen Lachen und Weinen – Wenn die Kinder groß werden )
Viele Jahre hat es für uns funktioniert, die eigenen Träume beiseite zu schieben mit Sätzen wie:
- „Die Kinder brauchen uns noch so sehr. Das machen wir in ein paar Jahren“
- „Lass erstmal die Kinder aus dem gröbsten raus sein“
- „sobald die Kinder aus dem Haus sind, verfolgen wir wieder unsere eigenen Ziele“
- „jetzt haben wir keine Zeit – das machen wir mal, wenn wir in Rente sind“
Doch irgendwann funktionieren diese Sätze nicht mehr. Weil wir auf einmal spürbar merken, dass wir älter werden. Und weil der Gedanke „dafür ist später noch Zeit“, so ganz langsam durch einen neuen Gedanken abgelöst wird:
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Es geht nicht darum, sein bisheriges Leben in Frage zu stellen. Sondern darum, sich selbst neu zu (er)finden. Wer bin ich, wenn ich mal nicht mehr nur „Mama“ bin. Wer will ich in 10 Jahren oder in 15 Jahren sein? Wer besucht mich, wenn ich mal alt bin – und wenn meine Tochter ihr eigenes Leben, ihre eigene Familie hat? Was macht mir Freude, mit 60 mit 70 oder vielleicht mit 80?
🖍 Beschreibe Dein Leben in 20 Jahren. Versuche Dir alles vorzustellen: Wo wohnst Du ? Wer besucht Dich? Wie verbringst Du Deine Tage? Was macht Dich glücklich?
Du kannst mit beiden Beinen fest im Leben stehen und trotzdem die eigenen Wünsche nicht kennen
Mit zwanzig oder dreißig war das Leben oft voller Aufgaben und Ziele. Ausbildung, Beruf, Familie, Kinder oder Hausbau haben den Alltag bestimmt. Für die eigenen Interessen blieb oft wenig Zeit.
Mit den Jahren passiert etwas anderes: Man wird so gut darin, sich um alles und jeden zu kümmern, dass die eigenen Wünsche immer leiser werden.
Wenn dich heute jemand fragen würde: „Was begeistert dich wirklich?“, müsstest du wahrscheinlich erst einmal nachdenken.
Das ist völlig normal. Man verlernt nicht, sich für Dinge zu begeistern. Man verliert nur manchmal den Kontakt dazu.
💬 Kannst Du die Frage beantworten? Was begeistert Dich wirklich?
Leidenschaft findet man nicht beim nachdenken
Früher habe ich geglaubt, irgendwo müsse dieses eine Hobby oder dieser eine Lebenstraum auf mich warten. Auf der Suche nach Inspiration und „Erleuchtung“ habe ich stundenlang im Internet recherchiert.
Ich habe mir Listen ausgedruckt wie:
- „Die 20 beliebtestens Hobbys der Deutschen“
- „Die besten Sportarten für Frauen über 40“
- „Top 5 Freizeitbeschäftigungen aller erfolgreicher Frauen“
- „15 Dinge zum sammeln und tauschen“
- „Anfängerkurse der VHS in meiner Nähe“
- „welches Ehrenamt passt zu mir?
Ich dachte, viellleicht bekomme ich auf diese Weise neue Impulse und finde das eine Ding, das sofort mein Herz höher schlagen lässt, mich begeistert und mein Herz mit Freude erfüllt.
So funktioniert es meistens nicht.
Die wenigsten Menschen wachen morgens auf und wissen plötzlich, wofür sie brennen. Begeisterung entsteht oft erst, wenn wir etwas ausprobieren.
Fange da an zu suchen, wo Du schon früher fasziniert und begeistert von warst
Vielleicht hast du früher gerne fotografiert, geschrieben oder gemalt. Vielleicht interessierst du dich für Geschichte, Gartenarbeit, Sprachen oder Reisen. Vielleicht hast du schon hundertmal gedacht: „Das würde ich eigentlich gerne einmal machen.“
Genau dort lohnt es sich anzufangen zu suchen.
Nicht mit der Frage: „Was wird meine große Leidenschaft?“
Sondern mit der viel einfacheren Frage:
„Was macht mich neugierig?“
Neugier ist oft der erste Schritt zu etwas, das später eine echte Leidenschaft werden kann.
Neue Lebensziele finden beginnt mit kleinen Fragen
Du musst heute noch nicht wissen, wie dein Leben in fünf Jahren aussehen soll.
Viel hilfreicher ist es, dir Fragen zu stellen, auf die es keine richtige oder falsche Antwort gibt.
Zum Beispiel:
- Worauf freue ich mich im Moment am meisten?
- Wann vergeht die Zeit für mich besonders schnell?
- Worüber könnte ich stundenlang lesen oder Podcasts hören?
- Welche Menschen bewundere ich – und warum?
- Was wollte ich schon immer einmal ausprobieren?
- Was hätte ich als Kind oder Jugendliche gern gemacht?
🖍 Schreibe alles auf, was Dir spontan einfällt ohne es zu bewerten. Oft erkennt man erst nach einer Weile, welche Themen sich immer wieder zeigen
Was, wenn mich im Moment gar nichts begeistert?
Auch das kann passieren. Wenn man lange funktioniert hat, ist Begeisterung oft nicht einfach verschwunden – sie liegt nur unter einer dicken Schicht aus Alltag, Verpflichtungen und Gewohnheit.
Dann hilft es, nicht nach der großen Erfüllung zu suchen.
Suche stattdessen nach kleinen Momenten, die sich gut anfühlen.
Vielleicht ist es ein Spaziergang im Wald. Ein Kochkurs. Ein Wochenende in einer fremden Stadt. Ein Buch, das dich nicht mehr loslässt. Ein Gespräch mit einer inspirierenden Frau.
Aus vielen kleinen Erfahrungen entsteht nach und nach ein klareres Bild davon, was dir wichtig ist.
Ein neues Hobby ist kein Test fürs Leben
Nicht jedes neue Hobby muss sofort die ganz große Leidenschaft werden. Es ist okay, etwas auszuprobieren nur um festzustellen, dass es doch keinen Spaß macht.
Das ist keine verlorene Zeit.
Du weißt danach immerhin, was nicht zu dir passt.
Jede Erfahrung bringt dich deiner Antwort ein Stück näher.
Trau dich, wieder Anfängerin zu sein
Es klingt so banal einfach und ist doch so schwer. Als Mütter sind wir es gewohnt für alle stark zu sein. Alles im Griff zu haben. Wir können kochen, backen, organisieren, Termine jonglieren, Dinge reparieren… und wenn wir mal doch etwas nicht können, dann kaschieren wir das irgendwie. Nie würden wir zugeben, dass wir überfordert sind oder sogar ganz offen zu unseren fehlenden Kenntnissen stehen.
Doch genau dieser Anspruch steht im Weg, wenn wir etwas neues ausprobieren wollen. Wir trauen uns nicht uns für neue Kurse anzumelden weil wir uns fragen:
- ich weiß gar nicht wie das geht ?
- was, wenn ich so gar kein Talent dafür habe?
- bin ich vielleicht auch schon zu alt dafür?
- komme ich damit zurecht, wenn eine fremde Person im Alter meiner Kinder mir plötzlich Anweisungen gibt? Oder meine Leistung bewertet?
- womöglich blamiere ich mich?
(Falls es Dich interessiert, ich hatte genau diese Gedanken vor ein paar Jahren, als ich mich gefragt habe: Ist es peinlich sich als Frau mit Mitte 40 noch im Fitness-Studio anzumelden ?(Erfahrungsbericht) )
Es ist völlig in Ordnung, mit Mitte vierzig oder fünfzig etwas Neues zu lernen. Niemand erwartet Perfektion.
Vielleicht entdeckst du die Freude am Wandern, am Schreiben, an der Fotografie, am Tanzen oder am Gärtnern. Vielleicht engagierst du dich ehrenamtlich oder lernst eine Sprache.
Du musst dich nicht sofort festlegen.
Du darfst ausprobieren.
Gib dir selbst die Erlaubnis, dich zu verändern
Vielleicht bist du heute nicht mehr dieselbe Frau wie vor zehn oder zwanzig Jahren.
Das ist keine Krise. Es ist ein ganz normaler Teil des Lebens.
Neue Lebensziele entstehen selten am Schreibtisch. Sie entwickeln sich unterwegs – durch Erfahrungen, Begegnungen und den Mut, etwas auszuprobieren.
Wenn dein Leben sich im Moment leer anfühlt, musst du nicht sofort die eine große Antwort finden.
Vielleicht reicht es für den Anfang, dir jeden Monat eine neue Erfahrung zu schenken. Einen Kurs. Einen Ausflug. Ein Buch aus einem Thema, über das du bisher nichts wusstest. Ein Gespräch mit einem Menschen, dessen Leben ganz anders aussieht als deins.
Mit jeder dieser Erfahrungen lernst du nicht nur etwas Neues kennen.
Du lernst vor allem dich selbst wieder ein Stück besser kennen.
Und genau dort beginnt oft das, wonach du schon so lange suchst.
Fazit
Der Wunsch nach Veränderung in der Lebensmitte ist nicht das Gegenteil von Zufriedenheit oder Dankbarkeit. Beides darf nebeneinander bestehen. Menschen verändern sich – was einen mit 20 noch erfüllt hat, kann sich mit 40 oder 50 anders anfühlen.
Der Wunsch auch mit 40 oder 50 noch zu wachsen und sich persönlich weiterzuentwickeln ist keine Krise. Sondern vielleicht ein Zeichen dafür, dass Du das viel zu lange vernachlässigt hast. Im Alltag Deine eigenen Wünsche und Bedürfnsse aus den Augen verloren hast.
Du bist nicht zu alt, als Anfängerin, noch etwas neues zu lernen. Du bist zu jung, es nicht zu tun!
Wohin willst Du als nächstes gehen?


