Warum wir verlernt haben, spontan und unvernünftig zu sein
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Wenn das Leben nur noch aus Verantwortung besteht und Du Dich nicht mehr erinnern kannst, wann Du das letzte Mal einfach spontan und unvernünftig warst
Es ist kein Zufall, dass gerade wir Frauen ab 40 plötzlich anfangen, selbstkritisch unser Leben zu hinterfragen. Das passiert nicht, weil unser Leben heute schlecht ist. Sondern vielleicht eher, weil wir uns fragen: War das jetzt alles im Leben?
Wenn Du mehr darüber erdahren möchtest, warum gerade wir Frauen ab 40 von Selbstzweifeln betrofren sind und wie wir besser damit ungehen können:
Vielleicht geht es Dir auch so wie mir: Du beginnst zu überlegen, wie Du Dein Leben wieder lebendiger gestalten kannst. Wann Du eigentlich verlernt hast spontan zu sein. Wo Du mutiger werden möchtest, welche Glaubenssätze Du zukünftig einfach loslassen möchtest.
Und irgendwann fällt Dir auf, dass Du gerade dabei bist, Dein Leben zu planen – anstatt es einfach zu leben.
Wann bin ich eigentlich so langweilig geworden?
Hast Du auch manchmal das Gefühl, dass Du einfach verlernt hast, spontan zu sein? Dass Du vergessen hast, wie es sich anfühlt, einfach einmal loszugehen, ohne alles vorher durchzuplanen? Ohne Kontrolle. Ohne To-do-Liste im Kopf. Einfach drauf los.
Ich habe dieses Gefühl, seit meine Tochter jetzt langsam in das Alter kommt, in dem ich früher selber einfach die beste Zeit meines Lebens hatte. Nicht, weil mein Leben heute schlechter wäre. Aber so im Alter von 17 -22 habe ich damals mein Leben einfach gelebt. Ohne Plan und ohne To-Do-Listen.
Wir sind an den Wochenenden losgezogen. Freitag Abends um 22 Uhr , irgendjemand ruft: „Hey, wollen wir spontan an die Oststee fahren?“ Kurze Zeit später waren ein paar Decken, eine Gitarre, Getränke und Snacks an der nächsten Tankstelle besorgt und wir sind losgefahren. Übernachtet am Strand – Sand überall, der freie Himmel über uns.
Wie oft bin ich Montags morgen nach 6 Stunden Schlaf am kompletten Wochenende im Büro gesessen und habe gearbeitet. Völlig übermüdet – aber das war egal. Der Schlaf wurde einfach in der Woche nachgeholt und am nächsten Wochenende ging es direkt wieder los.
Je mehr meine Tochter nun in dieses Alter kommt, desto öfter denke ich zurück an diese Zeiten. Und es ist unübersehbar, dass sich in den letzten knapp 20 Jahren etwas verändert hat.
Ich habe mich verändert.
Warum fällt es mir so schwer loszulassen?
Neulich saß ich mit meiner Familie zusammen. Irgendjemand machte einen Vorschlag. Ganz spontan. Einfach losfahren. Nicht groß überlegen. Einfach machen.
Mein erster Gedanke?
„Aber wir müssen doch erst…“
Erst überlegen. Erst planen. Erst schauen, ob das überhaupt sinnvoll ist. Ob wir an alles gedacht haben. Ob es zeitlich passt. Ob wir genug eingepackt haben. Ob…
Meine Tochter verdrehte nur die Augen.
„Ach Mama… du siehst immer alles so kompliziert.“
Und mein Mann lachte nur.
„Du könntest auch einfach mal Spaß haben.“
Ich weiß noch, dass mich dieser Satz getroffen hat. Nicht, weil er böse gemeint war. Sondern weil ich plötzlich dachte:
Wann bin ich eigentlich so geworden?
Früher war ich anders.
Früher sind wir einfach ins Auto gestiegen und irgendwo hingefahren. Wir haben mitten in der Nacht beschlossen, noch an den See zu fahren. Oder wir haben im Urlaub spontan eine Reisetasche gepackt, sind zum Flughafen gefahren und haben einfach den nächsten freien Flug „irgendwohin“ gebucht.
Wir haben gelacht, getanzt, Blödsinn gemacht und keine fünf Minuten darüber nachgedacht, ob das jetzt vernünftig ist.
Irgendwann ist dieses Mädchen verschwunden.
Nicht von heute auf morgen.
Ganz leise.
Irgendwann wurde ich die Erwachsene.
Nicht an einem bestimmten Tag oder weil ich das bewusst so entschieden hätte. Sondern ganz langsam. Mit jeder neuen Verantwortung, jeder Aufgabe und jedem Menschen, für den ich mitdachte.
Ich wurde zu der, die an alles denkt, Geburtstage organisiert, den Kühlschrank im Blick hat.
Die, die weiß, wann die Waschmaschine fertig ist und wann Toilettenpapier gekauft werden muss.
Die Arzttermine vereinbart, Klassenfahrten bezahlt, Abends um 19 Uhr noch ein unbedrucktes, weisses T-Shirt aus dem Hut zaubert, dass dringend am nächsten morgen in der Schule benötigt wird.
Eine, die immer einen Plan B hat.
Diese Rolle habe ich automatisch und selbstverständlich übernommen. Ich war diejenige, die sich zu Hause um alles kümmerte, den Alltag organisierte, damit mein Mann arbeiten gehen konnte.
Irgendwann wurde es zur Gewohnheit. Dann selbstverständlich.
Ich habe alles am Laufen gehalten. Geschaut, dass es allen gut geht. Geplant, organisiert, stets an alles gedacht, immer für alle mitgedacht.
Jeden Tag.
Über Jahre.
Und irgendwann wurde dieses Verantwortungsgefühl selbstverständlich.
Ich erinnere mich noch gut an ein Wochenende bei meinen Eltern. Unsere Tochter war ungefähr 2 Jahre alt. Wir waren das komplette Wochenende zu Besuch und wollten nun wieder nach Hause fahren, weil mein Mann Abends noch mit Freunden verarbredet war.
Wir verabschiedeten uns von meinen Eltern. Mein Mann schnappte sich sein Handy und seinen Autoschlüssel, zog seine Schuhe an und war fertig. Er meinte, ich solle mich beeilen – er würde schon mal im Auto warten. Als ich dann 15 Minuten später, bepackt mit diversen Taschen, Kuscheltieren, gefühlt unserem halben Hausstand und der weinenden zweijähreigen auf dem Arm, am Auto ankam war er genervt, weil es mal wieder so lange gedauert hatte. Meine Mutter schüttelte nur vorwurfsvoll den Kopf.
Damals verstand ich meine Mutter nicht. Ich fand das völlig normal. Ich habe nicht einmal erwartet, dass er eine Tasche trägt oder unsere Tochter auf den Arm nimmt. Es war meine alltägliche Aufgabe, an alles zu denken, nichts zu vergessen, mich um das Kind zu kümmern. Deswegen habe ich auch in dem Moment unsere Aufgabenverteilung überhaupt nicht hinnterfragt.
Erst viel später verstand ich, dass meine Mutter etwas ganz anderes sah als ich. Sie sah ihre Tochter, die im wahrsten Sinne alles alleine trug – Taschen, Verantwortung, die Sorge um das Kind. Während mein Mann bereits im Auto saß und ungeduldig darauf wartete, dass es endlich losging.
Genau so schleicht sich Verantwortung in unser Leben. Nicht plötzlich. Nicht an einem einzigen Tag. Sondern Stück für Stück. So unauffällig, dass wir irgendwann gar nicht mehr merken, wie sehr sie uns verändert hat.
Dieses Gefühl, für alles verantwortlich zu sein, wird irgendwann wie eine zweite Haut.
Man zieht sie morgens an und abends nicht mehr aus.
Das Verrückte daran?
Heute sagt man mir:
„Sei doch einfach mal lockerer.“
„Mach dir nicht immer so viele Gedanken.“
„Sei spontan.“
Ich würde wirklich gern. Ehrlich. Aber ich habe das Gefühl, dass ich verlernt habe, wie das geht.
Ich beneide meine Tochter manchmal. Mit fast achtzehn hat sie noch diesen wunderbaren Luxus, ohne allzu viele Verpflichtungen und ohne Plan ihr Leben zu leben.
Sie muss nicht ständig an morgen denken. Sie kann einfach losziehen. Einfach leben. Sie darf spontan sein, unvernünftige Dinge tun, sich nicht darum scheren, was jemand Fremdes über sie denkt oder von ihr erwartet.
Mein Mann hat sich diesen Luxus ebenfalls über die Jahre bewahrt. Was andere von ihm denken, hat ihn tatsächlich noch nie interessiert. Er setzt fast alle seine Ideen spontan in die Tat um.
Je älter unsere Tochter wird, desto enger scheint die Verbindung zwischen ihr und ihrem Vater zu werden. Ihre Herzen schlagen immer stärker im Gleichklang:
Er schlägt vor, spontan etwas zu unternehmen, sie ist sofort dabei
Sie hat eine verrückte Idee, er ist sofort Feuer und Flamme
Ein neuer Plan, eine spontane Idee und beide sind nicht mehr zu halten.
Während ich gelernt habe, dass immer erst alles erledigt sein muss.
Im gleichen Maße, wie das Band zwischen meinem Mann und meiner Tochter immer enger wird, je älter mein Tochter wird, desto mehr habe ich das Gefühl, als Mama nicht mehr gebraucht zu werden Mama-Herz zwischen Lachen und Weinen – Wenn die Kinder groß werden
Vielleicht habe ich das Unvernünftigsein einfach verlernt.
Nicht, weil ich alt geworden bin.
Sondern weil ich irgendwann „zur Stimme der Vernunft“ wurde. Jemand musste schließlich den Überblick behalten, die Verantwortung übernehmen, Regeln aufstellen, den Alltag strukturieren und ein gutes Vorbild sein.
Irgendwann wird daraus ein Automatismus.
Man merkt gar nicht mehr, wie selten man sich selbst fragt:
Worauf hätte ich eigentlich gerade Lust?
Und trotzdem glaube ich, dass sie noch da ist.
Diese Frau, die laut lacht und albern sein kann. Die spontan losfährt ohne Plan und ohne alles im Vorfeld genau zu durchdenken.
Die Frau, die nicht immer alles kontrollieren muss, ist vielleicht gar nicht verschwunden, sondern nur unter all den Einkaufslisten, Terminen, Verpflichtungen und To-do-Listen verschüttet worden.
Und vielleicht muss sie gar nicht verschwinden, um irgendwo anders wieder zu der Frau zu werden, die immer noch in ihr steckt Du musst nicht verschwinden, um Dich neu zu finden
Vielleicht sollte sie sich nur einfach wieder öfter trauen
Einfach loszugehen.
Ja zu sagen.
Etwas zu tun, ohne vorher sämtliche Eventualitäten durchzuspielen.
Ich glaube, das wünsche ich mir für die zweite Hälfte meines Lebens.
Nicht perfekter zu werden. Nicht vernünftiger.
Sondern ein kleines bisschen unvernünftiger.
Wieder öfter laut zu lachen und mich selbst nicht immer so ernst zu nehmen.
Nicht ständig das Gefühl zu haben, für alles verantwortlich zu sein.
Vielleicht ist genau das die Freiheit, nach der sich so viele Frauen ab 40 sehnen.
Nicht mehr allen Erwartungen gerecht werden zu müssen. Sondern sich selbst wieder ein Stück näherzukommen.
Ich weiß nicht, ob ich das von heute auf morgen schaffe. Aber ich glaube, ich möchte es wieder lernen. Schritt für Schritt.
Denn irgendwo in mir lebt sie noch.
Die Frau, die früher einfach gemacht hat.
Und ehrlich gesagt…
Ich vermisse sie ein bisschen.
Fazit
Wenn Du bis hierhin gelesen hast, geht es Dir ja vielleicht genauso: Du hast das Gefühl verlernt zu haben unvernünftig und unbeschwert zu sein. Doch wir können es wieder lernen. Und uns das Gefühl unserer Jugend zumindest manchmal wieder zurückholen.
In uns wohnt immer noch das Mädchen, das spontan und unbeschwert sein kann. Wir müssen ihr nur wieder öfter erlauben zum Vorschein zu kommen.
Um unser Leben neu zu gestalten brauchen wir keinen kompletten Neustart, ein neues Mindset oder noch mehr Optimierung. Wirkliche Veränderung beginnt oft einfach mit einem ehrlichen Blick nach Innen. Und dem Mut, kleine Schritte zu machen.
Ein paar weitere Anregungen für „kleine Schritte“, die zu wirklicher Veränderung in Deinem Leben führen können findest Du in dieser Liste:
- 3 einfache Reflexionsfragen, die dein Leben ab 40 verändern können
- Schlechte Gewohnheiten ablegen: 6 Schritte zu dauerhafter Veränderung
- Alltag organisieren ab 40: 10 einfache Gewohnheiten für weniger Chaos im Alltag und mehr Ruhe in Deinen Gedanken
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